Die Rhumequelle bei Rhumspringe gehört zu den ergiebigsten Karstquellen Mitteleuropas. Bei einer mittleren Schüttungsmenge von etwa 2,0 m3/s liegt die Schwankungsbreite zwischen 0,9 m3/s und 5,9 m3/s.
Mit ihrem trichterförmigen Quelltopf von ca. 20 m Durchmesser stellt die Rhumequelle eines der bedeutendsten Naturdenkmäler Norddeutschlands dar.
 Zusammen mit ihren ca. 360 Nebenquellen bildet sie ein Rückzugsgebiet für seltene Tierarten.


Sie ist eine der größten Quellen Europas und die größte Karstquelle Norddeutschlands.
An ihr und ihren Nebenquellen tritt ein Grossteil des Wassers,
das in zahlreichen Flüssen und Bächen der weiteren Umgebung versickert, wieder aus.
Aus der ca. 10 Meter tiefen Quelle sprudeln pro Sekunde bis zu 5000 Liter Wasser. Jeder Bundesbürger könnte täglich einen Eimer Wasser von ihr erhalten, so gewaltig ist der Tagesausstoß der Rhumequelle.
Das blaugrüne Wasser hat eine gleichbleibende Temperatur von 8° - 9° Celsius im Sommer wie im Winter.

 

VIDEO zur Rhumequelle   -   Ausschnitt eines Fernsehbeitrags des NDR

 

Wie tief ist denn nun die Rhumequelle ?

Die "BILD"-Zeitung wollte es einmal ganz genau wissen:
 

17. August 1966
Es war am Südharz ein sonniger Tag. Er brachte einigen hundert Leuten ein abwechslungsreiches Spektakel. Sie säumten die Ufer des Quellteiches der Rhumequelle, um aus erster Hand zu erfahren: Wie tief ist denn nun eigentlich die Rhumequelle?
Um diese Frage war ein Streit entstanden zwischen der Gemeinde Rhumspringe und der hannoverschen Redaktion der Bild-Zeitung, vertreten durch den Lokalmatador, den verstorbenen Redakteur Theo Föhles aus Herzberg.
Die Vorgeschichte des Streites: Der Taucher Reimar Frickenstein aus Bad Lauterberg, Mitglied des Verbandes der deutschen Höhlen- und Karstforscher, hatte am 2. August 1966 im Quellteich der Rhumequelle eine Tiefe von 9,50 m gemessen, exakt mit einem Tiefenmesser. Der Harz Kurier berichtete darüber. Die Bild-Zeitung erfuhr davon. Und sie erhob mahnend ihre Stimme in Richtung Rhumspringe: Nun müsse ja wohl die Gemeinde ihre hübschen Bildpostkarten mit dem Aufdruck "40 Meter tiefe Quelle" als Altpapier einstampfen lassen.

Aber die Rhumspringer nahmen diese Belehrung nicht einfach so hin. Ein Trupp junger Männer aus Rhumspringe schiffte mit einem Floß auf die Mitte des Quellteiches. Lange Rohre wurden aneinandergeschraubt und in die Tiefe gesenkt. Die Rehabilitation gelang zum Teil. Die Rhumspringer kamen auf mindestens 18 Meter.

Dieses Lotungsmanöver ging in ziemlich spektakulärer Weise vonstatten. Die Kunde vom Spektakel drang bis zum damaligen Oberforstmeister Karl-Heinz Dauster, der im ehemaligen Forstamt auf dem Herzberger Schlossberg residierte. Er, der die Oberaufsicht für die Rhumequelle hatte, machte den "Untersuchungen" ein Ende, indem er unter anderem eine Funkstreifenwagenbesatzung anrücken ließ. Der Oberforstmeister setzte sich durch!

Der Harz Kurier, der ausführlich berichtete, enttarnte die Meldung, dass man den Oberforstmeister während seiner Intervention in den Quellteich der Rhumequelle geworfen habe, als Gerücht.

Wörtlich hieß es: "Oberforstmeister Dauster versicherte uns gestern mittag glaubhaft; das habe man einmal versuchen sollen... !" Der verdienstvolle Forstmann wog über zwei Zentner!

Die Quellen-Untersuchung am 17. August 1966 lief dann doch mit seiner stillschweigenden (Miß-)Billigung. Reimar Frickenstein stieg auf Bitten und Kosten der Bild-Zeitung erneut in den Quellteich, hatte ein Publikum, von dessen Anzahl heutige Fußball-Oberliga-Vereine höchstens träumen können und lieferte dem anwesenden Redakteuren der Bildzeitung wiederum eine gemessene Tiefe von 8 bis 9 Metern.
Oberforstmeister Dauster war damals sichtlich enttäuscht von dem Rummel um einen Ort der Erholung. Im Abdrehen kommentierte er: "Wenn wir das nahe Wehr hochziehen, ist der eigentliche Quellteich mit einem Schlag nur noch 5 Meter tief. So kann man die Dinge nicht klären."

Die Heimatzeitung schrieb: "Wer will die Tiefe der vielleicht nur armstarken Spalten ergründen, aus denen auf dem Boden des sicher wohl nur rund 9 Meter tiefen eigentlichen Quellteiches die starken Quellen hervorsprudeln?" Es scheine ein Streit um des Kaisers Bart zu sein.

Die Rhumspringer haben ihre Andenkenkarten mit der 40-Meter-Angabe nicht eingestampft. Die jungen Rhumspringer haben sich noch eine Weile mit Axel Springers Bild-Redakteuren gerauft. Die Alten aber hatten nur Verachtung übrig und pflegten ihre Erinnerungen an alte Überlieferungen - nach denen vor Jahrzehnten bereits ein Taucher auf 33 Meter herabgestiegen sein soll...

Prinzessin Rhuma ließ grüßen...

Quelle: Harzer Wochenspiegel vom 01.05.02

 

© RK 02/ 2009